Pantomimisches Theaterstück "Das Leben - eine lebendige Begegnung mit dem Tod" von und mit Christoph Gilsbach am 08.03.2019 in der Propsteikirche St. Vitus in Meppen

Marcel Marceau, 1923 geboren und Sohn eines jüdischen Metzgers in Straßburg, schloss sich 1942 der Bewegung Résistance an, dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten und damit gegen Gewalt, Krieg und Tod. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges schlüpfte er unter anderem in die Rolle des Clowns Bip und tourte damit in pantomimischer Theatergruppe um die Welt – schweigend, viel-sagend und immer wieder im Widerstand gegen die Absage an das Leben.

 

In Marcel Marceau hat Christoph Gilsbach, Pantomime-Künstler und hospizlicher Gast der Hospiz-Hilfe Meppen in einer voll besetzten Propstei-Kirche, eines seiner großen Vorbilder. Über Marceau sagt Christoph Gilsbach: „Er hat kein Wort gesagt und doch so wunderbare Geschichten erzählt.“

Ist das vorstellbar? Da spricht jemand kein Wort und erzählt doch wunderbare Ge-schichten?

Ist das nicht ein Widerspruch? Vielleicht im ersten Moment.

Im zweiten aber erzählt diese Erfahrung von mindestens zweierlei: 

Da ist einer, der vielleicht keine Worte mehr finden kann, vielleicht des Sprechens müde oder vom Leben sprachlos gemacht, vielleicht erkrankt, vielleicht sterbend. Und doch hat er noch eine Menge zu sagen. Und findet den Mut, einen anderen, neuen Weg zu wählen, sich zu verständigen. Und er beginnt, seine Geschichte vom Leben zu erzählen.

Und da ist einer, der sich auf diesen anderen, neuen, verwandelten Weg der Sprache einlässt, weil er zuhört – weil er die Stille mit ihren Gesten, Symbolen und den vielsagenden Augen seines Gegenübers zulässt. Wie tröstlich. Wie befreiend. Wie verwandelnd.

Vielleicht wird genau in diesen scheinbar widersprüchlichen Erfahrungen die ver-wandelnde Kraft dieses Abends liegen. Eine besondere Stille wird von pantomi-mischer Kunst verwandelt und erzählt im Widerstand gegen jede Absage an das Leben stattdessen von dessen Strahlkraft, Verletzlichkeit und Stärke bis zum letz-ten Atemzug. Anrührend, nachdenklich, vielsagend in einer wortlosen Darstellung, tröstlich – und in jedem Falle verwandelnd.

Eben wie das Leben, wenn wir es ernst nehmen, angesichts des Todes.

 

Als Christoph Gilsbach nach diesen einleitenden Gedanken der Vorsitzenden der Hospiz-Hilfe Meppen e.V., Dr. Carmen Breuckmann-Giertz, die Bühne betritt, wird es mucksmäuschenstill in dem Kirchenschiff. Mit Mimik, Gestik und klarer Bewe-gungskontur führt er durch ein ganzes Leben mit all seinen Facetten. Er erzählt die Geschichte eines Menschen: Von „Vergänglichkeit“ – „Kindheit“ – „Jung und schön“ – „Heldentum“ – „Dem Höhepunkt des Erfolges“ – „Unzufriedenheit“ – „Klammern an den Alltag“ – „Abschied und Loslassen“ – „Dem Narren“ – „Der Weisheit“.

 

Von Anfang an mit auf der Bühne: Der Tod. Zunächst schenkt ihm der Mensch im Durchgang durch sein Leben keine Beachtung, schwebt stattdessen leichtfüßig dahin, pflückt Früchte vom Baum wie es Kinder eben tun und genießt sie mit jugendlicher Leichtigkeit. Dieser Mensch ist mal der Junge und Schöne, mal der Erfolgreiche, hier und da mit einer gewissen Arroganz und leichten Überheblichkeit. Doch der Abstand zum „Bruder Tod“ wird – fast unmerklich – immer geringer. Schließlich streitet der Mensch mit ihm, lehnt sich gegen ihn auf, ist unendlich traurig, ihm nicht ausweichen zu können, sich ihm ergeben zu müssen. Dann am Ende dieser bewegenden Darstellung doch Worte. Gesungene Worte aus dem Off:  “What a wonderful world“ von Louis Amstrong. Die Geschichte hat ein Happyend. Annahme, Zufriedenheit, Dankbarkeit. 

 

Lesung mit Lebenslinien

Gertrud Berth liest aus "Emilia" und "Daniel"

und Gerd Zimmermann begleitet

Ein Abend im November - draußen ist es kalt und stürmisch - drinnen wohlig, gemütlich, fast ein wenig wie zu Kindertagen. Denn Gertrud Berth, ehrenamtliche Hospizlerin und Autorin, verwandelt diesen Abend mit ihren Erzählungen über Emilia und Daniel, während sie, im Dämmerlicht des Kerzenscheins, Platz ge-nommen hat in einem alten Ohrensessel. Emilia und Daniel sind die Protagonisten und Titelgeber ihrer Bücher - und beide sind Figuren, mit denen Gertrud Berth davon erzählt, in den Lebenslinien von Menschen zu lesen, Verwandlungen zu erkennen und die Biografien des Einzelnen ernst zu nehmen, weil sie eine ganz eigene Geschichte schreiben. Eine sehr hospizliche Lesart des Lebens ihrer Figuren.

Immer wieder im Gespräch mit dem Publikum, das den Saal in der Senioren-residenz Meppen bis auf den letzten Platz füllt, gelingt es ihr, eine ganz besondere Atmosphäre des achtsamen Wortes und der zugewandten, würdigenden Haltung zu schaffen, mit der sie den Beiträgen ihrer Zuhörer begegnet. Begleitet wird sie dabei von den Melodien, die Gerd Zimmermann über die Texte legt und es damit schafft, den Figuren und deren Gedanken einen ganz eigenen Klang zu verleihen.

 

Die Resonanz aller Gäste am Ende des Abends ist überwältigend - "Sowas hat es hier noch nie gegeben." "Und es bedarf der Fortsetzung dessen in guter Koope-ration", sind sich Wilko Schaible, Leiter der Seniorenresidenz Meppen, und

Dr. Carmen Breuckmann-Giertz einig.

Eröffnung der Ausstellung "Trauer geht unter die Haut"

Im Rahmen des Jahresthemas "andersARTig" hat die Hospiz-Hilfe Meppen im September 2017 zur Vernissage eingeladen. Gut 80 geladene Gäste konnte Dr. Carmen Breuckmann-Giertz an diesem Abend im Bootshaus Meppen begrüßen, die sich ansprechen, bewegen und anregen ließen, wie sehr das Thema Trauer unter die Haut geht, so dass Menschen ganz unterschiedlichen Alters sich im Rahmen ihrer ganz eigenen Trauerverarbeitung ein Tattoo als Zeichen der Erinnerung stechen lassen. Davon erzählte die Psychoonkologin, Trauerbegleiterin und Künstlerin Anja Lindig zur Eröffnung ihrer Ausstellung mit Aufnahmen von Tattoos und den Geschichten trauernder Menschen unter der Moderation von Insina Lüschen. Eindrücklich berichtete Hanna Kerber als eine Teilnehmerin des Kunstprojekts von Anja Lindig  von ihrem Tattoo "I keep having dreams", das sie an ihren Freund, der sich vor einigen Jahren selbst das Leben nahm, erinnere. 

 

Damit die Trauerbegleitung auch in Zukunft Raum und Kräfte in der Hospiz-Hilfe Meppen haben wird, führte Jens Menke außerdem durch eine Versteigerung einer 18-Liter-Weinflasche, die am Ende des Abends zu 5.230 Euro Spende für die Hospiz-Hilfe Meppen e.V. führte

 

Bei ihm sowie der Künstlerin, der Moderatorin, dem Team vom Bootshaus, dem Weinhaus Hülsmann und Christoph Hoge als Sponsor der Weinflasche bedankt sich das ganze Team der Hospiz-Hilfe Meppen für diesen besonderen Benefiz-Abend.

Ein Konzert mit besonderem Tiefgang

"...und die Welt steht still... Letzte Lieder und Geschichten am Lebensende" am 02. September 2017 in der St. Bonifatiuskirche in Lingen

Sterbenskranke Menschen, die in Hospizen oder ambulant begleitet wurden, haben von Liedern erzählt, die für sie im Leben bedeutsam waren, die ihnen Halt, Trost und Hoffnung gaben.

 

Das Projekt bietet Menschen in der letzten Lebensphase die Möglichkeit zur kultu-rellen Teilhabe, indem sie daran mitwirken, ein Kunstprojekt zu erarbeiten, das sich dem Leben widmet und der Frage nach Lebensqualität in der letzten Lebensphase nachspürt. Es  entsteht ein Vermächtnis, das von Lieblingsmusiken einerseits und Lebensgeschichten andererseits geprägt ist.

 

In jeder Stadt, so auch bei uns, entsteht ein neues Aufführungserlebnis, das eng mit der Region und ihren Menschen verbunden ist.

 

 

Veranstalter: Lingener Hospiz e.V.

Hospiz-Hilfe Meppen e.V.

Stadtpastoral Lingen

 

Link zu weiteren Informationen

 

Matinèe zum Welthospiztag im hASETOR Kulturzentrum Haselünne mit der Künstlerin Petra Afonin am 23.10.2016

In Kunst und Musik dem Hospizgedanken Stimme und Gestalt zu geben, war

das Anliegen der Hospiz-Hilfe Meppen e.V. beim diesjährigen Welthospiztag.

Zu einer Matinée im hASETORKINO waren daher alle Interessierten und Ehren-amtlichen eingeladen, um dem Programm „Es ist nie genug“ von Petra Afonin

zu folgen. Vor nahezu ausverkauftem Haus stellte sie dieses mit überzeugen-

der Wort- und Stimmfarbe in allen Schattierungen, die das Leben bietet, wenn

es um die Frage der Begleitung von Menschen in Alter und Sterben sowie um

die Frage „Und wo bleibe ich?“ geht, vor.

 

Die Hospiz-Hilfe Meppen e.V. bedankt sich bei Ingo Schmit und seinem ehren-amtlichen Team für die engagierte Unterstützung und die gute Kooperation sehr herzlich.            www.hasetor.de